
Elemente einer Trauerfeier
Allgemeine, christliche und weltliche Bausteine zur Gestaltung einer Trauerfeier

Ideen für einen persönlichen Abschied
Eine Trauer- oder Lebensfeier lässt sich auf ganz unterschiedliche Weise gestalten. In diesem Artikel möchte ich euch verschiedene Elemente vorstellen, die Teil davon sein können. Ihr könnt sie als eine Art Baukasten verstehen: Manche passen bereits zu dem Abschied, den ihr euch vorstellt, andere inspirieren euch vielleicht zu einer eigenen Idee – und wieder andere dürft ihr getrost weglassen.
Musik
Musik kann Erinnerungen wecken, Gefühle ausdrücken und manchmal etwas sagen, wofür uns selbst die Worte fehlen. Deshalb gehört sie für viele Menschen ganz selbstverständlich zu einer Trauerfeier.
Das können Lieblingslieder des verstorbenen Menschen sein, Musikstücke, die euch miteinander verbinden, klassische Trauermusik oder Lieder, deren Text gerade besonders gut zu euren Gedanken und Gefühlen passt. Auch Instrumentalmusik kann eine schöne Möglichkeit sein, einen Moment ganz für sich wirken zu lassen.
Impuls: Musikvorschläge mit Gesang
Impuls: Musikvorschläge ohne Gesang
Die Musik kann live gespielt oder gesungen oder über eine Musikanlage eingespielt werden. Natürlich lassen sich beide Varianten auch miteinander kombinieren. Und wenn es zu euch passt, könnt ihr einzelne Lieder gemeinsam mit den Trauergästen singen.
Angebot: Live-Gesang zur Trauerfeier
Impuls: Formate für Live-Musik
Impuls: Liedblätter für den Gemeindegesang
Übrigens kann Musik auch schon direkt zur Ankunft, noch vor Beginn der Trauerfeier, eine ganz besondere Atmosphäre herstellen, z. B. durch die Gestaltung einer ganz persönlichen Playlist, die eine halbe Stunde vorher bis zur Trauerfeier läuft.
Impuls: Playlists für die Ankunft
Der Lebensweg
Die Lebensgeschichte erzählt von dem Menschen, um den es an diesem Tag geht. Dabei müssen keineswegs sämtliche Lebensstationen chronologisch aufgezählt werden.
Neben wichtigen Ereignissen und Lebensabschnitten dürfen vor allem die Dinge Raum bekommen, die einen Menschen ausgemacht haben: seine Persönlichkeit und Eigenheiten, Beziehungen, Leidenschaften, kleine Gewohnheiten – und natürlich die Geschichten und Anekdoten, an die ihr euch erinnert.
So entsteht nicht einfach ein Lebenslauf mit Zahlen und Fakten, sondern ein möglichst lebendiges Bild des Menschen, von dem ihr Abschied nehmt. Themen für die "Lebensrede" findet ihr hier:
Impuls: Trauerrede vorbereiten – Fragen für unser Gespräch
Tröstende Gedanken und Worte
Eine Trauerfeier blickt zurück – aber sie darf auch dabei helfen, mit dem Abschied umzugehen.
Tröstende Gedanken können sich mit Trauer, Liebe und Erinnerung beschäftigen, mit dem Weiterleben nach einem Verlust oder mit der Frage, was von einem Menschen bleibt. Je nachdem, was zu euch und euren persönlichen Überzeugungen passt, können dabei auch Gedanken über den Tod und darüber, was danach kommen könnte, ihren Platz finden.
Solche Worte können Teil der Trauerrede sein, aber auch als eigenständiger Text oder kurzer Impuls in die Feier einfließen.
Religiöse Elemente
Wenn der Glaube im Leben des verstorbenen Menschen oder für euch als Angehörige eine Rolle spielt, kann dieser natürlich in die Trauerfeier einbezogen werden. Wie viel Raum er bekommt, kann dabei ganz unterschiedlich sein.
Im Christentum können das zum Beispiel Gebete, Bibeltexte, Psalmen, geistliche Lieder oder ein Segen sein. Dabei gibt es z. B. spezifisch katholische oder evangelische oder auch ökumenische, also konfessionsübergreifende Varianten. Zu möglichen Gebeten gehören das vertraute Vaterunser ebenso wie moderne bis weltlich orientierte Gebetstexte.
Je nach Religion und Tradition gibt es ganz unterschiedliche Formen des Abschieds: Im Judentum können u. A. Psalmen eine wichtige Rolle spielen, im Islam das Totengebet (Salāt al-Dschanāza). Hinduistische Abschiedsrituale können Gebete, Mantras und rituelle Handlungen umfassen, während im Buddhismus je nach Tradition etwa Rezitationen, Gebete oder Meditationen Teil des Abschieds sein können. Auch bei den indigenen Völkern Nordamerikas gibt es unterschiedliche spirituelle Abschiedsrituale, bei denen beispielsweise Räucherungen oder die Verbundenheit mit der Gemeinschaft und der natürlichen Welt eine Rolle spielen können.
Auch eine ansonsten freie und überwiegend weltlich gestaltete Trauerfeier kann also einzelne religiöse oder spirituelle Elemente enthalten.
Dabei ist es wichtig, den jeweiligen Traditionen und die persönlichen Überzeugungen des verstorbenen Menschen und seiner Angehörigen mit Respekt zu begegnen. Wenn ihr euch bei bestimmten Ritualen unsicher seid, kann es sinnvoll sein, eine Person aus der jeweiligen Religionsgemeinschaft einzubeziehen.
Gedichte, Texte und Zitate
Manchmal findet ein anderer Mensch genau die Worte, nach denen wir selbst gesucht haben.
Ein Gedicht, ein kurzer literarischer Text oder ein Zitat kann deshalb einen schönen Platz innerhalb der Trauerfeier bekommen. Der ausgewählte Text muss dabei nicht ausdrücklich vom Tod handeln. Vielleicht gibt es ein Gedicht, einen Buchausschnitt oder einen Satz, den der verstorbene Mensch besonders mochte oder der etwas über seine Haltung zum Leben erzählt.
Oft wurde auch schon vor meinem Gespräch mit den Angehörigen ein Spruch für die Traueranzeige ausgewählt, der in der Trauerrede aufgegriffen werden darf.
Und natürlich könnt ihr auch selbst etwas schreiben.
Persönliche Beiträge
Nicht alle Worte müssen von der Person kommen, die die Trauerfeier leitet. Auch Angehörige, Freundinnen, Kolleginnen oder andere Wegbegleiterinnen können sich beteiligen.
Das kann eine kleine Ansprache sein, eine persönliche Erinnerung, ein vorgelesener Brief oder auch nur eine kurze Geschichte. Wer nicht selbst vor den Trauergästen sprechen möchte, kann einen geschriebenen Text auch von jemand anderem vorlesen lassen.
Auf diese Weise können ganz unterschiedliche Stimmen und Perspektiven auf einen Menschen Teil des Abschieds werden.
Rituale und symbolische Handlungen
Rituale können Gedanken und Gefühle sichtbar machen, für die Worte allein manchmal nicht ausreichen. Sie können ein Gemeinschaftsgefühl verstärken, einen besonderen Moment innerhalb der Zeremonie darstellen oder Gelegenheit sein, Kinder mit in die Gestaltung einer Trauerfeier mit einzubeziehen.
Ihr könnt beispielsweise Kerzen entzünden, Blumen niederlegen oder kleine Erinnerungsstücke gestalten. Auch Steine, Bänder, Karten oder andere Symbole können eingesetzt werden. Vielleicht gibt es aber auch eine ganz eigene Handlung, die sich aus dem Leben des verstorbenen Menschen ergibt.
Hier einige individuelle Beispiele:
Wenn eine besondere Faszination zu Japan bestand, können gefaltete Kraniche abgelegt werden.
Ist jemand viel gewandert, könnte ein Steinmännchen (aufgetürmte Steine, wie man sie manchmal am Wegrand entdeckt) gebaut werden.
Spielte das Segeln eine wichtige Rolle im Leben, können Papierschiffchen in eine Schale mit Wasser gesetzt werden.
Ein "Ritual" muss weder religiös noch traditionell sein. Entscheidend ist vielmehr, dass seine Bedeutung für euch nachvollziehbar ist und es sich für euch gut anfühlt.
Fotos und Videos
Fotos holen Erinnerungen unmittelbar zurück. Deshalb kann schon ein einzelnes Porträt einen besonderen Platz bei der Trauerfeier bekommen.
Darüber hinaus können mehrere Bilder, z. B. aus verschiendenen Lebensphasen, aufgestellt, auf einer Erinnerungswand gesammelt oder während der Feier als Diashow oder Präsentation projiziert werden. Auch kurze Videos sind möglich.
Schön kann es auch sein, Fotos nicht nur als Dekoration zu betrachten, sondern sie bewusst in die Gestaltung einzubeziehen – beispielsweise mit einem Musikstück nach oder direkt zum erzählten Lebensweg.
Blumen, Deko und persönliche Gegenstände
Auch die Gestaltung des Raumes kann etwas über einen Menschen erzählen.
Neben klassischem Blumenschmuck können beispielsweise persönliche Gegenstände aufgestellt werden: ein Musikinstrument, ein besonderes Kleidungsstück, etwas aus dem Beruf oder Ehrenamt, ein geliebtes Buch, ein selbst geschaffenes Werk oder etwas, das für ein Hobby oder eine große Leidenschaft steht.
Dabei muss aus der Trauerhalle natürlich keine Ausstellung werden. Oft genügt schon ein einzelner Gegenstand, bei dem die Anwesenden sofort denken: Ja, das war einfach typisch.
Stille
Auch Stille darf ein Element einer Trauerfeier sein.
Nicht jeder Moment muss mit Worten oder Musik gefüllt werden. Eine bewusst eingeplante Zeit der Stille kann den Trauergästen Gelegenheit geben, eigenen Erinnerungen und Gedanken nachzugehen oder ganz persönlich Abschied zu nehmen.
Gerade zwischen vielen Eindrücken kann ein solcher ruhiger Moment sehr kraftvoll sein.
Die Trauergäste einbeziehen
Trauergäste müssen nicht ausschließlich zuhören und zuschauen. Wenn es zu der Feier passt, können sie aktiv in den Abschied einbezogen werden.
Vielleicht sprechen alle gemeinsam ein Gebet oder einen Text, singen ein Lied, entzünden eine Kerze oder legen nacheinander eine Blume nieder. Ihr könnt die Gäste auch bitten, eine Erinnerung oder einen Wunsch aufzuschreiben.
Wie aktiv eine Trauergemeinschaft einbezogen werden möchte, ist allerdings sehr unterschiedlich. Eine Beteiligung sollte deshalb möglichst so gestaltet sein, dass niemand sich unter Druck gesetzt fühlt.
Der persönliche Abschied
Für manche Menschen ist es wichtig, sich noch einmal ganz bewusst und persönlich am Sarg oder an der Urne zu verabschieden.
Dafür kann je nach Ablauf vor, während oder am Ende der Trauerfeier Raum geschaffen werden. Trauergäste können beispielsweise einzeln zum Sarg oder zur Urne treten, eine Blume niederlegen, den Sarg berühren oder einfach für einen kurzen Moment dort verweilen.
Der Weg zum Grab & die Beisetzung
Findet im Anschluss an die Trauerfeier eine Beisetzung statt, gehört auch der gemeinsame Weg zum Grab zum Abschied.
Dieser Übergang kann bewusst gestaltet werden, zum Beispiel durch Musik oder ein bestimmtes Ritual. Am Grab können noch einmal Worte gesprochen, ein Gebet oder Segen gegeben oder Blumen und Erde in das Grab gelegt werden.
Auch hier gibt es nicht den einen vorgeschriebenen Ablauf. Was möglich und üblich ist, hängt unter anderem von der Bestattungsart, dem Friedhof und euren persönlichen Wünschen ab.
Es darf auch ganz anders sein
Nicht alles, was zu einem Menschen passt, findet sich in einem Ratgeber über Trauerfeiern.
Vielleicht soll am Ende sein Lieblingslied erklingen, obwohl niemand es als „Trauermusik“ bezeichnen würde. Vielleicht möchtet ihr miteinander anstoßen, etwas verteilen, das dieser Mensch besonders geliebt hat, einen Gegenstand herumreichen oder ein ganz eigenes Ritual entwickeln, das es so wahrscheinlich auf keiner anderen Trauerfeier gibt.
Auch Humor darf seinen Platz haben. Wenn ihr euch an eine lustige Geschichte erinnert und beim Erzählen plötzlich alle lachen müssen, nimmt das der Trauer nichts von ihrer Bedeutung.
Zum Abschluss
Eine persönliche Trauerfeier entsteht nicht dadurch, dass möglichst viele besondere Elemente eingebaut werden. Sie entsteht dann, wenn die ausgewählten Worte, Klänge, Bilder und Gesten zu dem Menschen passen, von dem ihr Abschied nehmt – und zu den Menschen, die um ihn trauern.
Hier findet ihr Informationen zu meinem Angebot als Trauerrednerin – oder könnt mich direkt unverbindlich anfragen:
